1. Technischer Hintergrund
Fotografien einzelner Blüten, Stauden oder Blätter, also Details, erhalten durch ein leichtes Teleobjektiv mit einem Makro-Bereich den perfekten Look. Makro-Objektive zeichnen sich dadurch aus, dass sie selbst innerhalb eines extremen Nahbereichs scharf stellen können.
Beide - Tele- und Makro-Objektiv - haben den Vorteil, eine geringe Tiefenschärfe zu erzeugen. Das bedeutet, dass nur ein kleiner Teil des Bildes scharf ist, während der Vorder- und Hintergrund unscharf sind. Diese Bildgestaltung ermöglicht einen deutlichen Fokus des Betrachters auf das zentrale Motiv bei Pflanzenfotos.
Die Unschärfe im Vorder- und hintergrund ist hier durch eine weit geöffnete Blende (1.4) entstanden, die scharf abgebildete Ebene ist minimal und lenkt dadurch den Blick
Stärker noch als die Wahl des Objektivs, wird die Tiefenschärfe durch die Wahl der Blende beeinflusst. Eine große Blendenzahl bedeutet eine kleine Öffnung der Blende und eine große Tiefenschärfe (bis unendlich); eine kleine Blendenzahl bedeutet eine große Öffnung der Blende und eine geringe Tiefenschärfe. Auch hier ist wieder auf die Wahl des Objektivs zu achten, vor allem auf die Lichtstärke. Lichtstarke Objektive lassen besonders viel Licht eintreten und sind daher auch bei schwierigen Lichtverhältnissen die passende Wahl. Außerdem ermöglichen sie es, die Blende besonders weit zu öffnen und daher wiederum eine geringe Tiefenschärfe zu erzeugen.
Handelt es sich bei der Wahl des Motivs um einen ganzen Baum oder ein Feld, also um Landschaftsfotografie mit einem Fokus auf Pflanzen, so ist vom Weitwinkel- über das Normalobjektiv bis hin zu größeren Brennweiten (Teleobjektiv) alles zulässig. Die Wahl des Objektivs hängt dann einerseits von der Größe der Pflanze ab und andererseits vom Abstand, den der Fotograf vom Motiv einnehmen kann.
Die Blende sollte bei großen Entfernungen besonders klein eingestellt werden, um eine große Tiefenschärfe zu gewährleisten.
Morgennebel - eine solche Aufnahme erfordert ein Weitwinkelobjektiv
Sehr effektvoll sind Fotografien bei Morgendämmerung mit Nebel und Tau sowie Bilder, die während der “blauen Stunde” (Abenddämmerung) aufgenommen wurden. Letzteres erfordert unter Umständen den Einsatz eines Blitzgeräts und in jedem Fall ein Stativ.
2. Vier typische Anfängerfehler bei der Blumenfotografie
Es gibt einige Fehler, die gerade von Anfängern begangen werden. Die folgenden Beispiele sollen helfen, diese zu vermeiden.
Fehler 1: Von oben fotografieren
Fotografieren von oben auf die zarte Pflanze. Das lässt zwar die Symmetrie gut erkennen, sorgt aber für einen unruhigen, dunklen Hintergrund wie Erde oder Gras, der das Foto unästhetisch wirken lässt. Manchmal kommt bei strahlendem Sonnenschein noch eine weit geschlossene Blende (großer Blendenwert) hinzu, der zu einer durchgängigen Schärfe im Bild führt, der den Hintergrund eben nicht gnädig in Unschärfe versinken lässt, sondern knackscharf abbildet und so von der Blüte ablenkt.
Blumen aus der gleichen Perspektive fotografiert - hier: Buschwindröschen, dazu ist eine Bauchlage auf dem Boden unvermeidbar
Es gibt aber auch Ausnahmen, bei denen erst der Blick von oben den Reiz offenbart. Das ist der Fall, wenn die Fülle oder Vielfalt der Blüten gezeigt werden soll und dabei kein störender Hintergrund vorhanden ist. Oder warum Blumen nicht mal von unten fotografieren? Das ist garantiert ein ungewöhnlicher Anblick.
Sonnenblume, das Fotografieren von unten zeigt wie groß die Blume ist, außerdem wird die Wirkung durch die tief stehende Sonne unterstützt
Fehler 2: Keine perfekten Blüten
Im Eifer des Kampfes mit Licht, Kameraeinstellungen und dem richtigen Blickwinkel übersehen einige Fotografen bei Blüten oft winzige Schönheitsfehler wie welke Blütenteile, getrocknete Blütenränder, von Insekten zerfressene Blätter oder ähnliches. Bei einer Makro-Aufnahme werden diese winzigen Makel aber übergroß abgebildet und stören. Wenn mehrere Blüten zur Auswahl stehen, lohnt es sich, zu vergleichen, welche Blume die schönste und idealste Blüte hat.
Perfektes Hornveilchen
Fehler 3: Fehlende Bildkomposition
Die natürliche Schönheit einer Blüte zieht viele Fotografen so in ihren Bann, dass sie (siehe 1. Fehler) das Drumherum vollkommen vergessen. Oft führt das auf Anfängerfotos von Blumen dazu, dass zwar eine hübsche Blüte irgendwo klein im Bild zu sehen ist, aber das ganze “Grünzeug” drumherum völlig unpassend und ungeordnet ins Bild rankt.
Dabei gibt es zwei einfache Gestaltungsmittel, um das zu vermeiden. Erstens ermöglicht eine weit offene Blende eine geringe Schärfentiefe, welche den Fokus fast automatisch auf den kleinen Teil des Bildes lenkt, der scharf abgebildet ist. Das Foto unten zeigt den Effekt deutlich und beweist außerdem, dass spannende Bildkompositionen mit etwas Mühe auch bei Blumenfotos möglich sind.
Zweitens erlaubt die natureigene Symmetrie der Planzen auch, die Komposition ganz der Natur zu überlassen, indem die Blüte so dicht aufgenommen wird, dass nur die Blumensymmetrie im Bild ist – ohne Blätter, Stängel oder Hintergrund.
Außerdem sollte man auch ruhig einmal gegen die Sonne fotografieren, so ergeben sich reizvolle Lichtspiele, zwischen Sonne und Pflanze, die das Bild interessanter machen.
Durch weit geöffnete Blende kein störender Hintergrund
Es muss nicht immer aufgeblüht sein - Knospe der Sonnenblume vor dem Öffnen
Fehler 4: Mangel an Zeit und Risiko
Mit Mangel an Zeit umschreibt man den Umstand, dass viele Blumenfotos von Anfängern oft nebenbei entstehen, mal schnell beim Spazierengehen am Wegesrand oder zwischen Mittagessen und Kaffepause im heimischen Garten. Kurz draufgehalten und abgedrückt. Ein Stativ, Reflektor oder gar eine Blitzanlage und aufwändiges Ausleuchten der Blumen scheuen viele Anfänger. Entweder weil das Geld und damit die benötigten Geräte fehlen oder weil die Erfahrung im Umgang damit nicht vorhanden ist. Wobei letzteres ein zusätzlicher Grund wäre, genau das öfter zu machen.
Mit Risiko meint man keine waghalsigen Aktionen, bei denen Seerosen mit einer DSLR von unten fotografiert werden, sondern die Entscheidung, Blumen (natürlich nur aus dem eigenen Garten) auch mal zu pflücken, um so in einer Vase viel einfacher drapieren zu können. Damit werden mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Der unruhige Hintergrund ist weg, mehr Kompositionsmöglichkeiten bieten sich und man sucht sich das schönste Exemplar raus.
Wer die vier genannten Fehler vermeidet, sollte auch als Fotografie-Anfänger in der Lage sein, wunderschöne Blumenfotos aufzunehmen
Sonnenblume nach dem Regen - nicht immer muss eine Blüte komplett auf das Bild, auch so ein Detail wirkt interessant



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