• Die Sektion Tomate der Gattung Solanum

    Wahrscheinlich das Highlight unter den Nutzpflanzen im Garten genießt zu Recht seine hervorgehobene Stellung.


    Gattung: Solanum
    Sektion: Solanum lycopersicon
    Art: Tomate
    Originäre Herkunft: Mittel- und Südamerika


    Kaum eine andere Frucht ist in hiesigen Gärten weiter verbreitet als die Tomate. Namen wie Liebesapfel oder Paradeiser sprechen schon genug eigene Sprache um dieses "Gemüse" näher zu betrachten.

    Herkunft und Historie

    Ursprünglich waren die Wildformen in Mittel- und Südamerika verbreitet.
    Schon vor über 2000 Jahren wurden sie von den Ureinwohnern kultiviert und "gezüchtet".
    Es heißt sie hätten ihren Namen von den Inka oder Maya, die die Pflanze (oder Frucht?) xitomatl nannten. Andere nennen die Azteken als diejenigen, die die Tomaten zuerst domestizierten. Alleine in Ermangelung an Zeitzeugen muß das genügen.
    Kolumbus brachte sie dann mit seiner zweiten Reise nach Europa, wo sie erst im Süden und ansonsten als Zierpflanze gezogen wurde.
    Die Früchte waren damals zumeist gelb, was sich in der originären (ital.) Bezeichnung pom d'oro (Goldapfel) heute noch widerspiegelt
    Wie mit Vielem ware es so, daß sie in der alten Welt zuerst zu Dekorationszwecken gebräuchlich waren, bevor man sie dann zur Nutzung gebrauchte (oder wiederentdeckte) Zuerst waren sie zumeist dem Adel und dem höheren Bürgertum zugänglich und im gemeinen Volk kaum verbreitet. Auch wurden sie anfangs mit einem Bann belegt und ihnen wurden "gar schröcklich Ding" zugeschrieben, das sie auslösen sollten.
    Aufsehen erregte ein Mann, der auf einem öffentlichen Platz, in einer öffentlichen Zeremonie mehrere Tomaten verspeiste um diesen Aberglauben zu widerlegen (Personen, Ort und Quelle habe ich nicht wieder gefunden und sind nur vage widergegeben).

    Mittlerweile ist die Tomate aber aus der Küche, zumal der italienischen, nicht mehr wegzudenken.

    Anbau

    Die Tomate bzw. deren Samen keimen recht schnell und erblicken meist nach 4-7 Tagen das Licht der Welt.
    Am Besten werden sie in nährstoffarmer Aussaat- oder Anzuchterde ausgesät.
    Es soll aber auch die Aussaat direkt in Blumenerde funktionieren.
    Da ist etwas probieren angesagt. Zumal etwaige Auswirkungen auf die spätere Vitalität der Pflanze (von mir) noch nicht weiter untersucht, beobachtet oder in Zusammenhang gebracht wurden.
    Dabei werden sie anschließend leicht mit Erde bedeckt (Faustregel: 1 bis 2 Samenkornstärken Erde über dem Samenkorn).
    Die Erde darüber wird benötigt, damit der Keimling seine Samenkapsel abstreifen kann.
    Der Aussaattermin wird für gewöhlich so gelegt, daß die Sämlinge dann alsbald mindestens 12h Licht am Tag haben.
    Soll heißen: ohne künstliche Zusatzbeleuchtung (die ich bei Tomaten im Gegensatz zu Paprika für verzichtbar halte) ca. Mitte März.
    Zum Licht und dem Verhältnis Licht/Wärme empfehle ich diesen Artikel: Licht bei der Pflanzenanzucht. Dieser Artikel ist auch interessant, wenn der Sämling oder die Jungpflanze zum sog. Vergeilen neigt, d.h. in die Höhe schießt und keinen stämmigen Wuchs entwickelt.
    Grundsätzlich ist aber in der Aussaat- und Aufzuchtsphase das hellste Fensterbrett der Lieblingsplatz des Tomatensprösslings. Licht, zumal Sonnen- bzw. Tageslicht gibt es in der Phase nicht zu viel!
    Nachsaaten sind auch noch bis Anfang April möglich.
    Spätere Termine reifen zwar auch recht zuverlässig und rechtzeitig genug um vor dem Herbst auch reife Früchte hervor zu bringen, jedoch überlagern sie sich dann gerne mit der im August aufkommenden Kraut- und Braunfäule.
    Dazu aber später mehr.
    Während der Keimung mögen sie es angenehm warm (>22°C) und immer feucht!
    Zum Zeitpunkt der Aussaat kann man zur Keimunterstützung die jeweilige Erde auch richtig nass machen. Die Nässe sollte aber nach ein oder zwei Tagen "abgebaut" sein und nur noch Feuchte entsprechen, da dann bald die Keimlinge auflaufen und Nässe dann zum Faulen führen würde.

    Sämling/Jungpflanze:


    Wenn die Sämlinge dann das zweite Blattpaar entwickelt haben werden sie pikiert. Sie werden also vorsichtig "umgepflanzt" und dabei gleich auch in Töpfe und dergleichen vereinzelt.
    Beim Pikieren kann man die Pflanze auch etwas tiefer setzen.
    Die Tomate hat die Eigenschaft auch am ehemals oberirdischen Stengel Wurzeln wachsen zu lassen.
    Dies kann man beim letztendlichen Verbringen in die Erde oder ein großes Pflanzgefäß nochmals steigern in dem man sie mehrere cm weiter eingräbt.
    Es gibt auch die Möglichkeit die Pflanze von unteren Blättern zu befreien und liegend einzugraben. Sie wird sich alsbald selbstständig aufstellen und weitere Wurzeln im eingebuddelten Teil generieren.

    Wenn sie dann zusehends in die Höhe schießen ist es ratsam sie zu unterstützen.
    Dazu kann man sie an Schnüren, die von oben herahängen aufleiten, Spiralstäbe verwenden oder sonstige Stützen bieten. Die meisten Sorten werden dabei eintriebig gezogen. Das heißt, daß nur ein Trieb aufgeleitet wird und die entstehenden Seitentriebe in den Blattachseln konsequent "ausgegeizt" werden.
    Es ist aber auch immer einen Versuch wert, sie zwei- oder gar dreitriebig zu ziehen.
    Wild- und Buschtomaten zieht man nicht grundsätzlich eintriebig.
    Diese werden meist, ihrem Namen gerecht werdend, kaum oder garnicht ausgegeizt sondern nur im Wachstum unterstützt.

    UV-Abhärtung

    Bei Haus- und/oder Kunstlichtanzucht ist auch auf eine gewisse "UV-Abhärtung" zu achten.
    Da die Jungpflanzen den hohen UV-Gehalt des Sonnenlichtes noch nicht gewöhnt sind, neigen sie schnell zu "Sonnenbrand". Dem kann man entgegenwirken indem man sie beizeiten öfters mal rausstellt (tagsüber, wenn es schon warm ist). Erst mehrmals im Schatten, später auch in die Sonne. Die Dauer dieses Prozederes ist mal wieder umstritten. 5-10 mal dürfen es aber schon sein.



    Nährstoffversorgung / Düngung

    Zur Nährstoffversorgung ist zu erwähnen, daß sie als Beeren, die sie botanisch sind (dazu noch schnellwachsend und einjährig) auch entsprechende Nährstoffe benötig. Neben allen anderen Nährstoffen, Mineralien und Spurenelementen benötigen sie für die Fruchtbildung im Wesentlichen auch Kalium.
    Inwieweit man diese bereitstellt ist in einem von Federmohn erstellten Artikel zu lesen: Basisinformation-zum-Thema-Düngen oder auch hier: Leitfaden-für-die-Kompostierung-(FH-Weihenstephan).
    Einen billigen Beerendünger vom Gartencenter/Baumarkt habe ich immer parat. Auch habe ich schon Kalidünger verwendet (Spruch vom 78-jährigen Nachbarn: Kalidünger-Erntebringer). Kalidünger selbst ist in Altvorderenzeiten ein Abfallprodukt der Hochofenindustrie gewesen. Stichwort Thomaskali.
    Dies ist heutzutage nicht mehr so der Fall und damit auch etwas entspannter zu sehen. Es wird aber manchmal weiterhin mit dem Wort Thomaskali (z.T. mit dem Zusatznamen Patentkali) geworben, obwohl ein solcher Dünger mittlerweile ein rechter Breitbanddünger geworden ist und nicht mehr viel mit dem ursprünglichen "herkunftsbezogenen" Dünger zu tun hat.
    Kalidünger ist sicherlich eine gute Option. Jedoch sollte man den Boden im Gesamten im Blick behalten. Die meisten Pflanzen können eher mit einem nährstoffärmeren Boden zurecht kommen als mit einem überdüngten.
    Mittlerweile nutze ich die Möglichkeit vom kreiseigenen Biokompostwerk, preisgünstig zertifizierten Kompost zu beziehen und muß zumeist erst spät im Sommer etwas mit Dünger nachhelfen.
    Hier im Forum werden verbreitet auch biologische Düngungen und Kräuterbrühen diskutiert, die ähnliche Ergebnisse erzielen.
    Da das Thema Düngung recht umfangreich und auch fallstrickbehaftet ist, muß man sich über den eigenen Boden und die nötigen Düngegaben aber unbedingt auch selbst schlau machen. Ich habe hier nur den Rahmen abgesteckt!

    Standort und Wetterschutz

    Tomaten mögen es
    warm, trocken und luftig.

    Warm, das mögen sie sogar bis zu recht unangenehm hohen Temperaturen (wenn die Füße trotzdem im Feuchten stehen!).
    Trocken, weil sie keine feuchten Blätter mögen, da sich dort dann Pilze ansiedeln können (u.a. die beliebte Kraut- und Braunfäule).
    Damit komme ich zu "luftig":
    Da wir hier in Mitteleuropa die trockene Wärme nicht immer gewährleisten können ist die gute Durchlüftung notwendig, damit feucht gewordene Blätter auch alsbald wieder abtrocknen können!
    Durchgesetzt haben sich dabei sog. Tomatendächer, die in vielen Gärten zu sehen sind.
    Diese sind zu mindestens einer Seite offen, meist zu deren zwei, drei oder gar gänzlich.

    Von Tomatenhauben halte ich übrigends garnichts!
    Sie sind allenfalls für Unwetter geeignet und auch dann eher kontraproduktiv.



    Weitere Pflege

    Zwischen Anfang und Ende Juli ist es dann soweit.
    Tomaten in rascher Folge werden reif und man hat genug zu ernten.
    In der Phase sollte man darauf achten reichlich, und vor allem, regelmäßig zu giessen.
    Denn eine unregelmäßige Wasserversorgung kann zu platzenden Früchten führen.
    Nass ist natürlich nichts, aber in Abhängigkeit des Bodens, sind zum Teil tägliche Giessgänge vonnöten. Auch die Düngung ist in der Zeit mehr als ein Augenmerk.
    Je nach Boden und dessen Vorbereitung muß man natürlich auch mehr oder weniger düngen, d.h. Nährstoffe zuführen.

    Um ein Aufspritzen des Giesswassers zu verhindern oder zu minimieren können Gefäße mit Löchern neben der Tomate eingegraben werden in die hinein gegossen werden kann.

    Die untersten Blätter können auch alsbald entfernt werden wenn die Rispen abgeerntet sind. Auch das vermindert die Gefahr des "Hochspritzens" des Giesswassers auf Blätter (man sollte die Blattentfernung aber nicht übertreiben --> Photosynthese).

    Ab irgendwann im August kann man auch die neu hinzukommenden Blüten und den Haupttrieb einkürzen.
    Die Blüten schaffen bis zum Herbst keine ausgereiften Früchte mehr und der Haupttrieb würde nur noch weitere Blüten hervorbringen.
    So geht die Kraft der Pflanze in die Ausreifung der vorhandenen Früchte.

    Tomaten benötigen nicht zwingend Insekten zur Bestäubung.
    Wind oder ein manuelles Schütteln der Pflanze reicht bei den allermeisten Tomatensorten durchaus.
    Das ist auch ein Grund, weshalb Tomaten eher selten zu ungewollten Kreuzungen neigen (im Gegensatz zu Paprika).
    Ein großer Vorteil dieser Neigung ist, daß man Tomatensamen problemlos selber ernten und sammeln kann und im nächsten Jahr daher kaum mit Überraschungen rechnen muß.


    Krankheiten und Schädlinge

    Ungefähr ab August nimmt dann der Befallsdruck zu und es breiten sich Krankheiten aus.
    Das ist besonders bei im Freien stehenden Pflanzen der Fall, daß sie den Pilz der Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) bekommen.
    Dieser ist eigentlich der Kraut- und Knollenfäulepilz der Kartoffeln heimsucht, jedoch für den die Tomate auch ein beliebter Wirt ist (wenn auch eher versehentlich).
    Er wird durch die Luft aber auch über den Boden durch aufspritzende Pilzsporen beim Giessen übertragen. Diese benötigen aber ein feuchtes Blattwerk über mehrere Stunden um sich erfolgreich anzusiedeln. Daher auch die, wie oben erwähnt, Tomatendächer und luftigen Behausungen. Damit können die Blätter ggf. schnell genug abtrocknen um die Ansiedelungsgrundlage des Pilzes zu eliminieren.

    Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß Tomaten unter dem Tomatendach oder im GWH ebenso diesem Pilz anheim fallen. Nur eben durch das günstigere "Klima" und die meist trockenen Blätter eben spürbar später!

    Weitere Kranheiten habe ich hier nicht aufgeführt da sie bei weitem nicht so oft vorkommen.
    Dazu gibt es mehr bei Biogärtner und noch auf vielen weiteren Seiten.

    Zu den Schädlingen kann ich hauptsächlich die weisse Fliege zählen.
    Diese kommt zwar bevorzugt in GWH's vor, ist aber auch in geschützeren Lagen im Freiland oder Tomatendach anzutreffen.
    Sie sollten frühzeitig detektiert (mithilfe von Gelbtafeln) und auch bekämpft werden, da sie die Pflanzen zwar nicht unbedingt direkt schwächen, mit ihren klebrigen Ausscheidungen aber die Ansiedelung von Pilzen und anderen Krankheiten begünstigen.
    Ein weiterer Schädling, der mir zwar noch nicht begegnet ist, aber zunehmend Verbreitung finden soll, ist folgender: Tomatenminiermotte.
    Weitere Schädlinge sind weniger häufig anzutreffen, auch wenn sie dann das Ergebnis nicht minder stark beeinträchtigen.


    Verwendung

    Natürlich wissen wir alle, inwiefern man Tomaten in der Küche verwendet.
    In Deutschland liegt der Durchschnittsverbrauch bei knapp 20kg pro Kopf und Jahr.
    Immer wieder kommt allerdings die Frage zu "grünen Tomaten".
    Diese sind durch nichts von ihren rohen Artgenossen zu unterscheiden!
    Sie haben ein hohes Level an giftigem Solanin und sollten nicht kiloweise gegessen werden!
    Dennoch sind sie in Maßen genossen und entsprechend zubereitet eine Köstlichkeit!
    Es ist gesundheitlich völlig unbedenklich zwei oder drei "normalgroße" eingelegte grüne Tomaten zu essen.
    Eine kritische Schwelle wird erst bei höherem Konsum erreicht, die sich dann in nachfolgendem Kopfschmerz bemerkbar macht.
    Sich wirklich ernsthaft zu vergiften ist wiederum auch recht schwer, da dazu mehrere Kilogramm verspeist werden müßten.

    Wie schon erwähnt sind Tomaten nicht nur rot.
    Wer Tomaten selbst anbaut sollte sich unbedingt einmal etwas durch die verschiedenen Farben durchtesten.
    Sind die Geschmacksrichtungen allein bei roten Tomaten schon mannigfaltig, so tun sich noch weit mehr auf, wenn man dann mal gelbe oder dunkle (Bezeichnungen: black, brown etc.) verkostet.

    Nährwert

    Daß die Tomate gesund ist, dürfte keine Überraschung sein.
    Mit ca. 20kcal/100g hat sie einen zu vernachlässigenden Brennwert.
    Dafür ist sie umso reichlicher mit Vitaminen, Mineralstoffen, sekundären Pflanzenstoffen (Flavonoide) und Spurenelementen gesegnet.
    Jetzt rangiert die Tomate zwar nicht an oberster Stelle, was diese Stoffe anbelangt.
    Da solche Werte aber immer in "pro 100g" angegeben werden, ist es bei Tomaten leicht machbar eben diese 100g und mehr zu sich zu nehmen.
    Nur zum Vergleich: 100g Kopfsalat ist aufwendiger zu essen als 100g Tomate (die ich im Vorbeigehen nasche).


    Anhang

    Hier im Forum wird natürlich reichlich und in einem gesonderten Bereich über die Tomate diskutiert. Viele weitere Tipps sind dort nachzulesen: Tomaten






    Das sollte jetzt mal eine grobe Übersicht über diese Superpflanzen sein.
    Ich hoffe ich habe die wesenstlichen Dinge plausibel genug erwähnt.
    Kommentare 5 5 Kommentare zu Tomate (Solanum lycopersicon)
    1. shogun -
      Sehr übersichtlich Andi; damit kann auch einem Anfänger der Anbau von Tomaten gelingen.
    1. Nachtschattengewächs -
      Danke

      Dennoch mußte ich mehr weglassen als ich hier unterbringen konnte.
    1. Garten1 -
      Vielen Dank!
    1. Damascina -
      Vielen Dank Du hast Dir echt Mühe gegeben und mir als Anfängerin alles gut erklärt
    1. Ursula k -
      Der Artikel über die Tomate sehr gut.Nur bei mir hat alles nichts geholfen.
      alles eingegangen.Im nächsten Jahr versuch ichs noch mal.