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 Wie bekomme ich verschnittene Zwetschge wieder in Form? Nächstes Thema anzeigen
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Blühnix



Anmeldungsdatum: 31.01.2010
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 31.01.2010, 16:22 Nach oben

Hallo, habe einen Garten mit ca. 10 Jahre altem Zwetschgenbaum geerbt. Den wollte ich nun gerne schneiden und habe auch in diversen Büchern über Obstbaumschnitt gelesen.

Leider ist bei meinem Baum in der Vergangenheit wohl so ziemlich alles schief gelaufen. Die waagrechten Äste wurden gekappt und die Senkrechten stehengelassen.

Nun beschreiben die Bücher über Obstbaumschnitt wunderbar, wie man eine derartige Fehlerziehung vermeidet. Nur leider hilft keines der Bücher so richtig bei der Frage weiter, wie man die Angelegenheit wieder gerade biegt, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Vielleicht hat ja hier jemand Erfahrungen gesammelt, die er mit mir teilen kann. Ich erwarte freilich nicht, dass ich noch einen perfekt erzogenen Baum aus der Zwetschge mache. Aber was möglich ist, will ich gerne unternehmen.

Das größte Problem ist nach meinem Dafürhalten der Hauptstamm, der bis ca. 2,5 Meter in steil in die Höhe steigt und sich dann in 3 Äste verzweigt, die ebenfalls steil nach oben weiterwachsen. Soll/kann ich den komplett aus dem Baum entfernen? Überlebt der Baum einen solchen Eingriff überhaupt? Wenn ja, wie? Oder weiß jemand eine weniger radiakle Lösung?

Vielen Dank!


Blühnix
eagle1



Anmeldungsdatum: 24.06.2009
Beiträge: 22
Wohnort: Ostalbkreis

BeitragVerfasst am: 01.02.2010, 16:31 Nach oben

Hallo Blühnix,

Blühnix hat Folgendes geschrieben:
Hallo, habe einen Garten mit ca. 10 Jahre altem Zwetschgenbaum geerbt. Den wollte ich nun gerne schneiden und habe auch in diversen Büchern über Obstbaumschnitt gelesen.


Das größte Problem ist nach meinem Dafürhalten der Hauptstamm, der bis ca. 2,5 Meter in steil in die Höhe steigt und sich dann in 3 Äste verzweigt, die ebenfalls steil nach oben weiterwachsen. Soll/kann ich den komplett aus dem Baum entfernen? Überlebt der Baum einen solchen Eingriff überhaupt? Wenn ja, wie? Oder weiß jemand eine weniger radiakle Lösung?
Blühnix

(1) ich kann nur jedem, welcher Bäume sein eigen nennt, empfehlen ein paar Schnittkurse zu besuchen. Die werden grade in nächster Zeit (oft kostenlos) von den Obst- und Gartenbauvereinen angeboten.
Vorteile: Theorie und Praxis, man trifft sachverständige Leute, welche oft gerne bei Problembäumen helfen.
(2) man sollte nicht drauf losschneiden und stattdessen nach einem System vorgehen.
(Findet man kein System, dann sollte man sich vorsichtig fragen, ob nicht eine Ersetzung die bessere Lösung ist).

Ein Grundsystem bei Obstbäumen ist die "Stammverlängerung mit drei oder vier Leitästen", welches grade für Anfänger sehr leicht zu lernen und auch umzusetzen ist.
Ist die bei einem alten Baum durch Verjüngungsschnitt nicht anwendbar, dann kommt eventuell die Hohlkrone in Frage. Keinesfalls würde ich aber die Hohlkrone bei 2.5m Höhe beginnen lassen. Da würde ich also in deinem Fall zwei von den dreien radikal abschneiden (alles andere bringt nix und wer schon einmal vom Baum gefallen ist, wird mich verstehen, daß man Zwetschen nicht in 3-4m Höhe erntet).

Vorsichtig muß man bei Zwetschen mit dem Einkürzen der Stammverlängerung sein. Das macht man, wenn überhaupt, im Herbst, und keinesfalls im Frühjahr. Denn oft erreicht man genau das Gegenteil. Man regt die Spitzenförderung an, und der Baum schießt noch mehr in die Höhe.

Fazit: Nachdenken, ob es sich noch lohnt. Wenn ja, den Gipfel freistellen (eine Stammverlängerung) und den Rest auslichten. Zu überlegen ist, ob man das nicht über mehrere Jahre macht. Dabei sollte man die Rebschere tunlichst im Keller lassen. Denn oft ist es besser einige wenige große Äste rauszunehmen, als stundenlang dran "rumzuschnippeln".

Viele Grüße, eagle1
lebby



Anmeldungsdatum: 01.02.2010
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 01.02.2010, 18:04 Nach oben

eagle1 hat Folgendes geschrieben:
(1) ich kann nur jedem, welcher Bäume sein eigen nennt, empfehlen ein paar Schnittkurse zu besuchen. Die werden grade in nächster Zeit (oft kostenlos) von den Obst- und Gartenbauvereinen angeboten


wie sieht es eigentlich beim schneiden aus, gibt es hier für alle pflanzen unterschiede die man hier lernt oder ist es einfach eine technik die man auf (nahezu) alle pflanzen übertragen kann?

_________________
www.lederweste.de
eagle1



Anmeldungsdatum: 24.06.2009
Beiträge: 22
Wohnort: Ostalbkreis

BeitragVerfasst am: 03.02.2010, 15:52 Nach oben

Hallo lebby,

lebby hat Folgendes geschrieben:
eagle1 hat Folgendes geschrieben:
(1) ich kann nur jedem, welcher Bäume sein eigen nennt, empfehlen ein paar Schnittkurse zu besuchen. Die werden grade in nächster Zeit (oft kostenlos) von den Obst- und Gartenbauvereinen angeboten


wie sieht es eigentlich beim schneiden aus, gibt es hier für alle pflanzen unterschiede die man hier lernt oder ist es einfach eine technik die man auf (nahezu) alle pflanzen übertragen kann?

oh je, das ist natürlich von Kurs zu Kurs verschieden! Das geht vom Dreitagesschnittkurs mit halbem Tag Theorie, über einen Sommerschnittkurs am Donnerstag abend. Dann kann der Schwerpunkt auf schwach- oder stark wachsenden Unterlagen liegen. Dann auf Kern- oder Steinobst.

Wenn man Anfänger ist, wäre ein Schnittkurs mit Theorie am besten. Und dann muß man sich solch einen Kurs suchen, in welchem auch Bäume geschnitten werden, welche man selber hat.

Google mal nach Obst- und Gartenbauvereinen. Bei uns in BaWue gibt es auch eine Dachorganisation:

http://www.logl-bw.de/Ortsvereine/

Viele Grüße, eagle1
Blühnix



Anmeldungsdatum: 31.01.2010
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 04.02.2010, 15:14 Nach oben

Hallo eagle1,

vielen Dank schonmal für die Infos. Ich muss aber nochmal nachhaken:

eagle1 hat Folgendes geschrieben:
Ein Grundsystem bei Obstbäumen ist die "Stammverlängerung mit drei oder vier Leitästen", welches grade für Anfänger sehr leicht zu lernen und auch umzusetzen ist. Ist die bei einem alten Baum durch Verjüngungsschnitt nicht anwendbar, dann kommt eventuell die Hohlkrone in Frage. Keinesfalls würde ich aber die Hohlkrone bei 2.5m Höhe beginnen lassen. Da würde ich also in deinem Fall zwei von den dreien radikal abschneiden (alles andere bringt nix und wer schon einmal vom Baum gefallen ist, wird mich verstehen, daß man Zwetschen nicht in 3-4m Höhe erntet).


Ich glaube, ich habe den Baum doch etwas falsch beschrieben. Es gibt zum Glück bereits auf Höhe von ca. 1,20 m drei Äste, die allerdings recht steil ansteigen. Um diese Äste geht es mir hier jedoch nicht so sehr. Ich denke, dass ich diese mit den Jahren recht gut in Form geschnitten bekomme.

Von dort ab schießt dann aber die Stammverlängerung in die Höhe, die sich bei ca. 2,50m wie beschrieben nochmals verzweigt und dann noch weiter ansteigt. Dort oben kommt man jetzt schon kaum hin um zu ernten und ich würde die Stammverlängerung daher gerne zurücknehmen.

Muss ich diese nun ganz herausnehmen (das wäre dann wohl die erwähnte Hohlkrone) oder kann ich, wenn ich sie etwa bis in Höhe der Verzweigung (2,5m) absäge, damit rechnen, dass sich neue Seitentriebe bilden, die zu - niedrigeren und waagrechteren - Leitästen werden. Oder ist das hoffnungslos, so dass ich besser gleich auf die Hohlkrone setze?


eagle1 hat Folgendes geschrieben:
Vorsichtig muß man bei Zwetschen mit dem Einkürzen der Stammverlängerung sein. Das macht man, wenn überhaupt, im Herbst, und keinesfalls im Frühjahr. Denn oft erreicht man genau das Gegenteil. Man regt die Spitzenförderung an, und der Baum schießt noch mehr in die Höhe.


Hm, das spricht dann wohl eher gegen die die Hohlkrone. Wenn ich nun langsam beginne, die hoch angesetzten Äste herauszunehmen (z. B. jedes Jahr einen), könnte ich jetzt im Februar noch damit beginnen, oder hätte die auch den negativen Effekt? Ich hätte natürlich schon gerne was zu ernten in den kommenden Jahren!




Vielen Dank


Blühnix
Nachtschattengewächs



Anmeldungsdatum: 24.04.2009
Beiträge: 242
Wohnort: 20km östlich von Stuttgart

BeitragVerfasst am: 04.02.2010, 19:32 Nach oben

Hallo
Ich kann mich nur anschließen.
Es gibt (fast) überall Obst- und Gartenbauvereine, die gerade um diese Jahreszeit Schnittkurse anbieten (fast Alle machen das!).
Besuche einen oder Einige und frage auch den Fachberater nach Deinen Bäumen.
Nicht ungeschickt ist es auch, (wenn der Kurs in unmittelbarer Nähe ist) mal mit den anderen Besuchern "warm" zu werden. Vor Allem die Älteren mal ganz unschuldig darauf anzutexten.
Aber auch der Obstbauberater oder Fachwart (oder wie die "Dozenten" heißen) kann mal ganz unverbindlich anschließend befragt werden, ob er sich nicht mal (gegen ein kleines Entgelt natürlich) Deinen Besen anschauen würde.
Eine auch nicht unattraktive Möglichkeit ist, hier im Forum ein Bild Deines Baumes in möglichst guter Auflösung (jetzt unbelaubt) einzustellen!
Ich wette, Du bekommst einige (sich nicht immer widersprechende) Schnitttipps!!!

Gruß
Andi
Die Schrebergärtnerin



Anmeldungsdatum: 02.02.2010
Beiträge: 26
Wohnort: Schmalkalden/ Thüringen

BeitragVerfasst am: 04.02.2010, 20:41 Nach oben

Mein Zweschgenbaum ist auch nie geschnitten worden. Voriges Jahr ist der große Hauptast unter der gewaltigen Last der vielen Zweschgen abgebrochen. Ich habe einen Fachmann zu Rate gezogen und der hat mir meinen Baum in Form geschnitten. Sah danach aus wie geruft. Bin ja gespannt, wie sich mein Bäumchen dieses Jahr entwickelt.

_________________
Liebe Gartengrüße!
Die Schrebergärtnerin
Pauli500



Anmeldungsdatum: 30.01.2010
Beiträge: 12
Wohnort: Geretsried

BeitragVerfasst am: 05.02.2010, 07:42 Nach oben

Steinobst nur von innen etwas auslichten. Keine Äste einkürzen. Der wird schon wieder.

_________________
Herzliche Grüße

Pauli

http://www.garten-wildenauer.de
sagorodnik



Anmeldungsdatum: 06.03.2008
Beiträge: 91
Wohnort: königreich flieden

BeitragVerfasst am: 08.02.2010, 20:35 Nach oben

Hallo Blühnix,

ich würde es nicht scheuen den Mittelstamm zu entfernenund danach sich
nach den Empfehlung von Pauli halten.

Gruß

josef
eagle1



Anmeldungsdatum: 24.06.2009
Beiträge: 22
Wohnort: Ostalbkreis

BeitragVerfasst am: 09.02.2010, 16:09 Nach oben

Blühnix hat Folgendes geschrieben:
Hallo eagle1,

vielen Dank schonmal für die Infos. Ich muss aber nochmal nachhaken:

Ich glaube, ich habe den Baum doch etwas falsch beschrieben. Es gibt zum Glück bereits auf Höhe von ca. 1,20 m drei Äste, die allerdings recht steil ansteigen. Um diese Äste geht es mir hier jedoch nicht so sehr. Ich denke, dass ich diese mit den Jahren recht gut in Form geschnitten bekomme.

Von dort ab schießt dann aber die Stammverlängerung in die Höhe, die sich bei ca. 2,50m wie beschrieben nochmals verzweigt und dann noch weiter ansteigt. Dort oben kommt man jetzt schon kaum hin um zu ernten und ich würde die Stammverlängerung daher gerne zurücknehmen.

Wie gesagt, würde ich die Stammverlängerung jetzt im Frühjahr nicht zurückschneiden. Die zweite Etage an Leitästen würde ich aber komplett herausnehmen (nicht Einkürzen!, da hat mein Nachredner völlig recht. Die Gefahr bestünde, daß sie dort dann umso mehr austreiben würden.
Zitat:

Muss ich diese nun ganz herausnehmen (das wäre dann wohl die erwähnte Hohlkrone) oder kann ich, wenn ich sie etwa bis in Höhe der Verzweigung (2,5m) absäge, damit rechnen, dass sich neue Seitentriebe bilden, die zu - niedrigeren und waagrechteren - Leitästen werden. Oder ist das hoffnungslos, so dass ich besser gleich auf die Hohlkrone setze?

Nochmal, die Äste auf 1,2m, welche seitlich aus der Stammverlängerung rauswachsen, sind deine Leitäste. Darüber sind weitere Leitäste eigentlich nicht sinnvoll. Eigentlich! Jetzt gibt es aber Bäume, die leider keinen oder nur dürftigen Erziehungsschnitt genossen haben. Oder aber es wurde ein anderes System gepflegt. Dann muß man sich den Baum anschauen, und entscheiden wie man weiter macht.
Zitat:

eagle1 hat Folgendes geschrieben:
Vorsichtig muß man bei Zwetschen mit dem Einkürzen der Stammverlängerung sein. Das macht man, wenn überhaupt, im Herbst, und keinesfalls im Frühjahr. Denn oft erreicht man genau das Gegenteil. Man regt die Spitzenförderung an, und der Baum schießt noch mehr in die Höhe.


Hm, das spricht dann wohl eher gegen die die Hohlkrone. Wenn ich nun langsam beginne, die hoch angesetzten Äste herauszunehmen (z. B. jedes Jahr einen), könnte ich jetzt im Februar noch damit beginnen, oder hätte die auch den negativen Effekt? Ich hätte natürlich schon gerne was zu ernten in den kommenden Jahren!

Du hast doch noch die Leitäste auf 1,2 m. Würde der Ertrag von denen nicht ausreichen? Wie würde denn der Baum aussehen, wenn du da oben nur halbherzig einzelne Äste der zweiten Etage rausnehmen würdest?

Ein oder mehrere Bilder wäre glaube so schlecht nicht ... .


eagle1
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